Karte zu Kostensenkung im Kleinbetrieb nach Kostenblöcken
Bild: Betriebsfunke

Kostensteuerung

Teil von Kostensteuerung im Kleinbetrieb ohne aufwendige Controllingsysteme

Kosten senken ohne Qualitätsverlust im Kleinbetrieb

Kosten senken im Kleinbetrieb: konkrete Hebel der IHK Chemnitz, Beispielrechnung mit Euro-Beträgen und Prüffragen für Einkauf, Personal und Miete.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die IHK Chemnitz ordnet Einsparansätze nach Kostenblöcken: Einkauf und Lager, Personal, Miete und Kredite, Fahrzeuge, verdeckte Posten.
  • Kurzarbeitergeld ersetzt 60 Prozent der Nettoentgeltdifferenz, mit Kind 67 Prozent; die Sozialbeiträge für Ausfallstunden trägt der Arbeitgeber allein.
  • Eine Beispielrechnung zeigt 21.300 Euro Einsparung bei 180.000 Euro Materialkosten pro Jahr.
  • Vor jeder Kürzung steht die Prüffrage: Berührt die Maßnahme eine Leistung, die der Kunde bezahlt?

Einkauf und Lager zuerst prüfen

Wer Kosten senken will, beginnt beim Materialeinsatz, in Fertigungsbetrieben meist der größte Einzelposten. Die IHK Chemnitz empfiehlt, kritisch zu prüfen, ob neue Waren und Materialien überhaupt angeschafft werden müssen oder ob noch ausreichend Lagerbestände vorhanden sind. Wer zuerst den Bestand prüft, kürzt nicht am falschen Ende.

Sind Vertragskonditionen anzupassen, rät die IHK, frühzeitig das Gespräch mit den Geschäftspartnern zu suchen. Wer erst nach der Lieferverweigerung verhandelt, verliert Spielraum. Prüffrage: Verzögert sich durch die kleinere Bestellung die Lieferzeit für Kunden?

Beispielrechnung Materialkosten

Angenommen werden 180.000 Euro Materialkosten pro Jahr und eine Ausschussquote von 6 Prozent:

  1. Ausschuss von 6 auf 3 Prozent halbieren: 5.400 Euro pro Jahr.
  2. Einkaufskonditionen um 3 Prozent verbessern: 5.400 Euro pro Jahr.
  3. Bedarfe bündeln, weniger Einzelbestellungen: 4.500 Euro pro Jahr.
  4. Reststücke und Verschnitt besser nutzen: 6.000 Euro pro Jahr.

Zusammen sind das 21.300 Euro oder 11,8 Prozent der Materialkosten, der Aufwand sinkt rechnerisch auf 158.700 Euro pro Jahr. Die Beträge sind ein Rechenbeispiel mit gesetzten Annahmen, kein gemessenes Betriebsergebnis.

Personal und Verträge als zweiter Block

Zur Optimierung der Personalkosten nennt die IHK Chemnitz flexible Vertragsgestaltung, Zeitarbeit und Auftragsarbeit statt Festanstellung. Auch die Prüfung von Kurzarbeitergeld wird genannt, falls die betriebsübliche Arbeitszeit aus wirtschaftlichen Ursachen vorübergehend verkürzt wird.

Der Zahlbetrag liegt bei 60 Prozent der Nettoentgeltdifferenz, für Beschäftigte mit mindestens einem Kind bei 67 Prozent. Die Sozialversicherungsbeiträge für die Ausfallstunden trägt der Arbeitgeber allein, berechnet auf 80 Prozent des entfallenden Bruttoentgelts.

Diese Hebel wirken schnell, berühren aber direkt die Leistung. Prüffrage: Fehlt nach der Umstellung Wissen, das kein externer Dienstleister kurzfristig ersetzt?

Miete, Kredite und Fahrzeuge

Bei Gewerbemiete empfiehlt die IHK Chemnitz, frühzeitig mit dem Vermieter nach Lösungen zu suchen; eine Reduktion oder Stundung lässt sich oftmals vereinbaren. Bei 2.000 Euro Monatsmiete bringt eine Senkung um 10 Prozent 2.400 Euro im Jahr.

Bei Krediten ist eine Tilgungsaussetzung oder Stundung mit der Hausbank zu prüfen. Nur Zinszahlungen zählen zu den betrieblichen Kosten, die Tilgung selbst muss aus dem Betriebsergebnis geleistet werden. Für betriebliche Fahrzeuge rät die Quelle, Einsparmöglichkeiten bei Sprit, Versicherungen, Instandhaltung sowie Leasing- und Finanzierungsraten zu prüfen.

Versicherungen und verdeckte Kosten

Die IHK Chemnitz rät, den betrieblichen Versicherungsschutz auf den Prüfstand zu stellen und Anbieter und Tarife zu vergleichen. Bei Mitgliedsbeiträgen in Vereinen, Werbungskosten, Bürokosten, Beratungskosten, Weiterbildungskosten, Kontoführungsgebühren und Beiträgen an Kammern, Berufsverbände und Berufsgenossenschaften lassen sich durch Gespräche mit den Partnern häufig individuelle Vereinbarungen erreichen.

Hier ist die Qualitätswirkung meist gering, solange die Leistung erhalten bleibt. Prüffrage: Bleibt der vertraglich zugesagte Schutzumfang nach dem Wechsel gleich?

Verschwendung erkennen, bevor gekürzt wird

Das VDI ZRE stellt Ressourcenchecks bereit, mit denen Unternehmen unterschiedlichster Branchen den Stand ihrer Ressourceneffizienz über Fragebögen und eine detaillierte Auswertung einschätzen können. Der Kostenrechner berechnet den Anteil der Material- und Energiekosten im Verhältnis zu Branchenvergleichswerten, die Materialflusskostenrechnung nach ISO 14051 erfasst Kosten aus Material- und Energieverlusten.

Solche Werkzeuge zeigen Auffälligkeiten, sie belegen aber keine Qualitätswirkung. Das VDI ZRE wird vom Bundesumweltministerium gefördert.

Prüffragen-Matrix für den eigenen Fall

Kostenblock Senkungshebel laut IHK Chemnitz Prüffrage vor der Umsetzung
Einkauf und Lager Bestand prüfen, Konditionen verhandeln Verlängert sich die Lieferzeit für Kunden?
Personal Vertragsgestaltung, Zeitarbeit, Kurzarbeitergeld Geht Wissen verloren, das kurzfristig nicht ersetzbar ist?
Miete und Kredite Reduktion, Stundung, Tilgungsaussetzung Bleiben Zahlungsfähigkeit und Vertrauen erhalten?
Fahrzeuge Sprit, Versicherung, Instandhaltung, Raten Leidet die Zuverlässigkeit der Auslieferung?
Verdeckte Kosten Beiträge, Werbung, Beratung, Kontoführung Bleibt der zugesagte Leistungsumfang gleich?

Die Matrix ist ein Arbeitsmittel für den eigenen Betrieb, kein Nachweis, dass die Hebel in jedem Fall Kosten senken.

Häufige Fragen

Sind die genannten Maßnahmen in jedem Betrieb erfolgreich?

Gemessene Ergebnisse nennt die IHK Chemnitz nicht, sie beschreibt Ansatzpunkte.

Welche Einsparung ist realistisch?

Das Rechenbeispiel kommt auf 11,8 Prozent der Materialkosten. Erreichbar ist dieser Wert nur, wenn Ausschussquote und Einkaufsvolumen ähnlich liegen.

Wirken die Senkungen auf die Qualität?

Das prüfen die Quellen nicht. Qualitätsaussagen bleiben deshalb Prüffragen, keine belegten Ergebnisse.

Muss der Vermieter einer Mietsenkung zustimmen?

Einen Anspruch darauf gibt es nicht. Die IHK Chemnitz empfiehlt, frühzeitig das Gespräch zu suchen und Lösungen auszuhandeln.

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