Punkteskala und Wertigkeiten zur Bewertung von Verbesserungsvorschlägen
Bild: Betriebsfunke

Abläufe

Teil von Verbesserungsvorhaben im Kleinbetrieb umsetzen: der Fünf-Schritte-Ablauf

Verbesserungsvorschläge bewerten mit Punkteskala und Wertigkeiten

Verbesserungsvorschläge bewerten: Punkteskala von 0 bis 5, technische und wirtschaftliche Wertigkeit berechnen und zwei Lösungsvarianten vergleichen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die technisch-wirtschaftliche Bewertung nach VDI 2225 Blatt 3 vergleicht mehrere Lösungen über eine Punkteskala und eine gedachte Ideallösung.
  • Festforderungen sind nicht verhandelbar und fliegen aus der Bewertung heraus.
  • Technische und wirtschaftliche Wertigkeit lassen sich getrennt berechnen und im s-Diagramm zusammenführen.

Wann sich eine Punktbewertung lohnt

Zwei Vorschläge, beide irgendwie machbar, aber unterschiedlich aufwendig: Genau hier setzt die technisch-wirtschaftliche Bewertung nach VDI 2225 Blatt 3 an. Sie geht davon aus, dass es für eine Problemstellung mehrere Lösungen gibt, die unterschiedlich gut realisierbar sind. Bewertet wird erst, nachdem die Lösungsmöglichkeiten ausgearbeitet sind.

Wichtig ist die Reihenfolge. Erst sammeln und ausarbeiten, dann bewerten. Wer zu früh sortiert, verliert Varianten, die später besser abschneiden könnten. Die Methode selbst vergleicht technische und wirtschaftliche Kriterien getrennt und führt sie anschließend zusammen.

Anforderungen ordnen: Festforderungen, Mindestforderungen, Wünsche

Vor der ersten Punktvergabe steht die Sortierung der Anforderungen. Die Methode teilt sie in drei Kategorien ein: Festforderungen, Mindestforderungen und Wünsche. Festforderungen werden aus der Bewertung ausgegliedert, weil sie in jedem Fall erfüllt sein müssen. Sie sind nicht verhandelbar und tauchen im Punkteschema nicht auf.

Alle übrigen Anforderungen sollten zielorientiert formuliert sein, also etwa Geräuscharmut statt Geräuschstärke. Übergeordnete Ziele wie minimales Gewicht oder besondere Ergonomie gehören separat ausgewiesen oder stärker gewichtet. So bleibt nachvollziehbar, welche Kriterien in die Punkte eingeflossen sind.

Technische Wertigkeit: Skala von 0 bis 5 Punkten

Empfohlen wird eine Skala von 0 bis 5 Punkten. Null steht für unbefriedigende, fünf für sehr gute oder ideale Merkmalserfüllung. Bezugsgröße ist eine Ideallösung, die alle Bewertungsmerkmale vollständig erfüllt. Die technische Wertigkeit X ergibt sich aus dem Verhältnis der erreichten Punktzahl zur Maximalpunktzahl.

Das folgende Rechenbeispiel ist ein fiktives redaktionelles Beispiel ohne Bezug zu einem realen Betrieb. Es zeigt nur, wie die Rechenwege aussehen, und ist keine VDI-Vorgabe. Zwei hypothetische Lösungsvarianten, je fünf Kriterien, Skala 0 bis 5.

Kriterium Variante A Variante B
Handhabung 4 3
Energiebedarf 3 5
Fertigungsaufwand 4 2
Wartungsfreundlichkeit 3 4
Werkstoffausnutzung 4 4

Variante A erreicht 18 Punkte, Variante B ebenfalls 18 Punkte. Bei fünf Kriterien mit einem Maximum von 5 liegt die Maximalpunktzahl bei 25. Die technische Wertigkeit beträgt damit für beide Varianten 18 geteilt durch 25, also 0,72.

Nach Angaben des Leitfadens gilt ein Wert von 0,8 in der Praxis schon als ausgesprochen hochwertig, Werte unter 0,6 gelten als unbefriedigend. Beide Varianten im Beispiel liegen dazwischen und damit im Bereich, in dem die wirtschaftliche Bewertung entscheidet.

Wirtschaftliche Wertigkeit und s-Diagramm

Für die wirtschaftliche Bewertung dient eine Größe Y als Verhältnis der idealen Herstellkosten zu den Herstellkosten der jeweiligen Variante. Die idealen Herstellkosten können laut Leitfaden mit 70 Prozent der zulässigen Herstellkosten angesetzt werden. Dieser Wert ist eine methodische Orientierung aus Marktuntersuchungen, kein Marktpreis.

Ein Beispiel: Zulässige Herstellkosten 100 Geldeinheiten, ideale Herstellkosten also 70. Variante A kostet 80, Variante B 65. Die Größe Y setzt die idealen zu den tatsächlichen Herstellkosten ins Verhältnis. Für A ergibt sich 70 geteilt durch 80, also 0,875, für B 70 geteilt durch 65, also rund 1,08. Höhere Werte stehen hier für größere Nähe zum Ideal. Wer wirtschaftliche Eingangsdaten unsicher schätzt, sollte das im Ergebnis kennzeichnen statt eine Scheingenauigkeit zu erzeugen.

Technische und wirtschaftliche Wertigkeit lassen sich zusammenfassend in einem s-Diagramm darstellen. Die Achsen zeigen beide Wertigkeiten, die Lage der Varianten macht den Trade-off sichtbar. Für die Variantenauswahl ist das oft aussagekräftiger als eine einzelne Gesamtnote.

Wer zusätzlich Material- und Energiekosten ins Verhältnis zu Branchenvergleichswerten setzen will, kann den Kostenrechner des VDI ZRE nutzen. Das Angebot ist eine Anbieterbeschreibung, kein unabhängiger Test. Das Bewertungsverfahren nach VDI 2225 Blatt 3 selbst steht im Leitfaden Ressourceneffizienz des VDI ZRE.

Häufige Fragen

Muss ich Festforderungen bepunkten?

Nein. Festforderungen fliegen aus der Bewertung heraus, weil sie in jedem Fall erfüllt sein müssen. Sie können aber als K.-o.-Kriterium vorab geprüft werden.

Wie viele Kriterien sind sinnvoll?

Eine feste Zahl nennt die Methode nicht. Fünf Kriterien halten das Schema im Kleinbetrieb handhabbar. Weniger Kriterien vereinfachen, mehr erhöhen den Erhebungsaufwand.

Was mache ich mit unsicheren Kostenschätzungen?

Datenbeschaffung kann teuer und zeitintensiv sein. Es ist sinnvoller, mit ersten Schätzungen zu starten, als an der Datenerhebung zu scheitern. Kennzeichnen Sie Schätzungen dann klar.

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