Karte zur Produktivitätsmessung im Kleinbetrieb mit eigenen Kennzahlen
Bild: Betriebsfunke

Abläufe

Teil von Betriebskennzahlen im Kleinbetrieb: auswählen, berechnen, handeln

Wie kann ein Kleinbetrieb Produktivität mit eigenen Maßstäben messen?

Produktivität messen im Kleinbetrieb: Output und Input je Periode selbst festlegen, Verhältniszahl bilden und nur gegen eigene Vorperioden vergleichen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Produktivität ist im Kleinbetrieb kein Normwert, sondern ein selbst definiertes Verhältnis: Output je Periode geteilt durch Input je Periode.
  • Beide Größen stammen aus eigenen Daten, etwa Aufträgen, Stückzahlen oder Umsatz auf der einen und Lohnkosten auf der anderen Seite.
  • Verglichen wird gegen die eigenen Vorperioden, nicht gegen einen fremden Produktivitätsdurchschnitt.

Was Produktivität im Kleinbetrieb bedeutet

Produktivität beschreibt ein Verhältnis. Im Zähler steht der Output einer Periode, im Nenner der dafür eingesetzte Input. Eine Aussage erhält die Zahl erst mit Einheit, Zeitraum und Bezugsgröße.

Beispiel: 240 fertiggestellte Aufträge im Quartal bei 1.800 eingesetzten Arbeitsstunden ergeben 0,133 Aufträge je Arbeitsstunde. Das ist eine eigene Messzahl, kein Branchenwert.

Der Nutzen liegt im Vergleich. Steigt der Wert von einem Quartal zum nächsten, wurde mit gleichem Input mehr Output erreicht oder mit weniger Input derselbe Output. Sinkt er, lohnt die Ursachensuche.

Output festlegen: Aufträge, Stückzahlen oder Umsatz

Wählen Sie ein Maß, das Ihre Leistung wirklich abbildet. Aufträge passen zu Handwerk und Dienstleistung. Stückzahlen passen zur Fertigung. Umsatz passt, wenn Preisunterschiede Teil der Betrachtung sein sollen.

Bei gemischten Leistungen helfen zwei getrennte Messreihen. Die IHK Darmstadt schlägt vor, den Umsatz pro Auftrag zu prüfen, um festzustellen, ob sich der Bearbeitungsaufwand auch bei kleinen Aufträgen lohnt, und zusätzlich das Verhältnis von Angeboten zu erhaltenen Aufträgen zu betrachten, um den Vertriebsaufwand einzuschätzen.

Wichtig bleibt die Einheitlichkeit. Wechseln Sie das Output-Maß nicht zwischen den Perioden, sonst vergleichen Sie Unvergleichbares.

Input festlegen: Stunden und Lohnkosten

Der sauberste Input ist die eingesetzte Zeit. Für eine Kostenrechnung wandeln Sie sie über einen Stundensatz in Euro um. Die IHK Darmstadt zeigt dafür ein Rechenbeispiel: Stundenlohn 45,00 Euro, plus 20 Prozent pauschal für gesetzliche Lohnzusatzkosten und plus 20 Prozent pauschal für Fehlzeiten, Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Daraus ergeben sich rechnerisch 63,00 Euro Lohnkosten pro Stunde.

Wer mit diesen Werten arbeitet, sollte sie als Beispielrechnung behandeln und durch eigene Lohn- und Zusatzkostendaten ersetzen. Sonst entsteht eine Kennzahl auf fremden Annahmen. Im IHK-Beispiel ergeben 40 Arbeitsstunden pro Auftrag einen Fertigungslohn von 2.520,00 Euro; Mehrstunden sollten laut IHK gesondert in Rechnung gestellt werden.

Ein kurzes Schema für Ihre eigene Erhebung:

Feld Ihre Angabe Einheit
Output je Periode z. B. abgeschlossene Aufträge Anzahl
Input je Periode eingesetzte Stunden Stunden
Lohnkosten je Stunde eigener Wert Euro netto
Verhältniszahl Output geteilt durch Input dimensionslos

Bezugsmaßstab: eigene Vorperioden statt fremder Normen

Die Verhältniszahl aus dem Schema bleibt aussagekräftig, wenn Sie sie gegen Ihre eigenen Vorquartale oder Vorjahre stellen. So erkennen Sie einen Trend und einen Ausreißer, ohne einen Betrieb mit anderer Ausstattung als Maßstab zu setzen.

Fremde Vergleichswerte können eine Orientierung sein. Die IHK Darmstadt empfiehlt, Branchenvergleichsziffern zu nutzen und bei Verbänden oder der Hausbank nachzufragen. Ein Produktivitätsdurchschnitt wird dort aber nicht zugesagt. Wer einen externen Vergleich sucht, findet bei der Deutschen Bundesbank eine Bonitätsanalyse. Laut IHK Lüneburg-Wolfsburg sollten dafür mindestens zwei Jahresabschlüsse vorliegen, die Unternehmensgröße spielt keine Rolle, und die Kennzahlen werden mit Unternehmen derselben Branche verglichen.

Diese Analyse bezieht sich auf Rentabilität, Innenfinanzierungskraft, Liquidität und Kapitalstruktur, nicht auf eine Produktivitätsnorm. Für die eigene Produktivitätskennzahl bleibt der Periodenvergleich der belastbare Maßstab.

Grenzen der eigenen Messung

Eine Produktivitätskennzahl sagt nur, dass sich das Verhältnis verschoben hat. Sie sagt nicht, warum. Qualitätsverluste, Nacharbeit oder ein verändertes Produktmix können denselben Output-Wert erzeugen.

Zwei Kennzahlen zur Seite zu stellen hilft bei der Einordnung. Prüfen Sie zusätzlich, wie viele Stunden in Nacharbeit geflossen sind oder wie sich die Ausschussquote entwickelt hat. Bei zwei auffälligen Kennziffern empfiehlt die IHK Darmstadt, professionelle Beratung zu nutzen.

Legen Sie vorab fest, wann Sie nachsteuern. Ein kurzer Notizvermerk zu jeder Periode erklärt später, ob ein Ausschlag auf mehr Aufträge oder auf weniger Stunden zurückgeht.

Häufige Fragen

Reicht Umsatz als Output-Maß? Umsatz ist möglich, reagiert aber auf Preisänderungen. Wer die Leistungsmenge messen will, nutzt besser Stückzahlen oder Aufträge und behält den Umsatz getrennt im Blick.

Brauche ich einen Branchendurchschnitt als Vergleich? Nein. Der Periodenvergleich gegen eigene Vorwerte ist die naheliegende Bezugsgröße. Branchenziffern lassen sich laut IHK Darmstadt bei Verbänden oder der Hausbank erfragen.

Wie oft sollte ich messen? Richten Sie den Rhythmus nach Ihrer Auftragslage. Quartal oder Monat sind üblich; entscheidend ist, dass Output und Input denselben Zeitraum abdecken.

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